In Wettswil verschwindet ein Stück Dorfkultur

Das beliebte Geschenk-Boutique „Drüegg“ im Dorfkern schliesst.

Auf Ende Januar verschwindet ein Stück Wettswiler Dorfleben, wenn nicht gar Dorfkultur. Das von Marianne Dorigo, Lisette Egger und Esther Urben liebevoll betreute Geschäft hinter der Tankstelle schliesst nicht etwa aus wirtschaftlichen Gründen. Viel mehr möchte sich eine der Gründerinnen vermehrt neuen Aufgaben zuwenden. „Wir haben zusammen vor elf Jahren begonnen und hören auch zusammen auf“, befanden ihre Kolleginnen.

 

Drüegg

„Es Lädeli“, das war seit langem der Wunsch der drei aufgestellten Frauen, und sie schritten ohne viel Wenn und Aber vor elf Jahren zur Tat, richteten eine liebenswerte Geschenkboutique ein und hatten mit ihrem Angebot offensichtlich eine Marktlücke im sich ständig vergrössernden Unterämtler Dorf entdeckt. Denn einfach die üblichen Boutique-Artikel anbieten, das war nicht das Ziel der phantasievollen und unternehmungslustigen Betreiberinnen. Viel mehr wollten sie Schwerpunkte setzen, beispielweise ein reichhaltiges und preisgünstiges Angebot für Kinder, natürliche und gleichzeitig formschöne Utensilien für Küche und Haushalt und darüber hinaus Produkte, die sich wieder konsumieren, wie etwa Essig, Oel, Tee, Naturkosmetika, pflegen. Staubfänger und überflüssige Gags strebten Marianne, Lisette und Esther auf ihren Einkaufstouren nicht an. Im „Drüegg“ sollte ein geschmackvoller Stil vorherrschen, ohne Klimbim, wenn auch durchaus nicht ohne Originalität. Da wird den auch der Grund dafür sein, dass das “Drüegg - Lädeli“ die einschneidenden Jahre der Rezession relativ problemlos überstanden hat.

 

Drüegg

Wer ins „Drüegg“ kam, um ein wenig zu stöbern war immer von neuem überrascht vom reichhaltigen Angebot, das sich, ordentlich und adrett arrangiert, im kleinen Geschäft darbot. Grössere Objekte hatten natürlich ihren Preis, der auch anstandslos entrichtet wurde, aber selbst die ehedem beliebten Geschenke unter zehn Franken liessen sich finden. Vorallem aber machte das Einkaufen im „Drüegg“ Spass, fanden freundliche Gespräche statt, wurden Begegnungen möglich. Beispielweise solche zwischen den Generationen, wenn das kleine Mädchen ein lustiges Geschenk für die Geburtstagsparty seines Gschpänli suchte, die Oma aber nach einem soliden hübschen Bilderbüchlein für den Enkel Ausschau hielt. Die Vertreter und Vertreterinnen der mittleren Generation wählten dann vielleicht eher ein eigentliches Wertgeschenk oder aber ein originelles Party - Mitbringsel. Aber was reden wir da immer in der Vergangenheit! Noch gibt es das „Drüegg“ ja bis Ende Januar. Noch lassen sich dort als kleiner Geschenkvorrat oder zum Eigengebrauch geschmackvolle, nützliche Objekte finden. Noch ist die Anzahl reichhaltig, denn die drei Besitzerinnen haben bewusst auf Weihnachten hin grosszügig eingekauft. Und selbstverständlich werden auf alle Artikel erfreuliche Rabatte gewährt. Was nun die Bedienung betrifft, so wird auch diese nett und zuvorkommend sein wie eh und je, gleichgültig, ob nun ein kleines Blechdöslein, eine Kristallschale oder ein kunstvoller Kerzenständer gepostet wird.

 

Drüegg

Eine leichte Wehmut ist allerdings bei den „Drüegg“- Frauen und ihren Kundinnen und Kunden schon auszumachen. Irgendwie war doch das Lädeli doch ihr Kind und darüber hinaus ein Stück Dorfkultur, für die es allem Anschein nach nicht so bald Ersatz geben wird. Eine Tür geht zu, aber es ist zu hoffen, dass für Marianne, Lisette und Esther weitere und weite Tore aufgehen werden. Und eines ist heute schon klar: die in langen Jahren aufgebaute Freundschaft zwischen den “Drüegg“-Frauen wird Bestand haben, auch nach der Zeitenwende und in der lädelilosen Zeit.

 

Artikel verfasst im Jahr 2000/Huha